Europa und die Frauen – Die Frauen und die Gleichberechtigung

Maria Juchaz und Elisabeth Selbert als Vorbilder

Gute 9 Stunden haben sich die Frauen der „Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen“ intensiv mit der Geschichte und Gegenwart der Gleichberechtigung befasst: Beginnend mit einem „Frauenpolitischen Frühstück“ am Sonntagmorgen in der Geschäftsstelle der SPD und endend mit einem Filmabend am Montag, der die „Sternstunde ihres Lebens“ für Elisabeth Selbert als prägender Frau staatlich garantierter Gleichberechtigung thematisierte. Einen Eindruck von Elisabeth Selbert vermittelt diese Video: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/sternstunde-ihres-lebens/specials/portrait-elisabeth-selbert-100.html

Von der Steinzeit ins letzte Jahrhundert

Gemeinsam mit auch männlichen Gästen und ihrem Referenten nahmen die Selmer Frauen die lange Geschichte des Kampfes um gleiches Recht für Frauen in Staat und Gesellschaft in den Blick: Beginnend mit steinzeitlichen Rollenaufteilungen über die Herrschaft der Patriarchen im lange tonangebenden römischen Recht bis zu den Aufbrüchen in der französischen Revolution. Kurze Videos und Impulse, intensive Gespräche zogen den Bogen weiter über die erste Rede von Maria Juchaz im Jahr 1919, die erste Rede einer Frau in der Deutschen Nationalversammlung nach der ersten deutschlandweiten Wahl, bei der Frauen wählen konnten.

„Meine Herren und Damen!“ – Sesede Terziyan liest Marie Juchacz‘ Rede auf Youtube

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Quoten als Mittel zum Zweck

Auf dem Weg zur Gleichheit spielt neben der Quotierung von Frauen in der Wirtschaft, in Vorständen und Aufsichtsräten, auch die Quotierung in der Politik eine zentrale Rolle. Lange schon sichert die SPD eine Mindestquote von 40 Prozent für jedes Geschlecht innerhalb der Partei – seit dem letzten Parteitag des UB Unna soll sogar eine Quote von je 50 Prozent für Männer und Frauen umgesetzt werden. Bettina Schwab-Losbrodt, Vorsitzende der AsF im UB Unna, besuchte am Nachmittag das Seminar und bringt es auf den Punkt. „Die SPD muss ihre beiden Gesichter zeigen, Männer und Frauen müssen in gleicher Weise sichtbar sein!“.

Parite und Equal Pay als neues Ziel

Begonnen hat weltweit eine Entwicklung, die dafür sorgen soll, dass Männer und Frauen in gleichem Maße in den Parlamenten vertreten sein können – in Frankreich, Ruanda und im Bundesland Brandenburg gelten bereits entsprechende Gesetze. Ganz konkret spürbar bleibt die ungerechte Verteilung der Macht auch in der konkreten Bezahlung von Männern und Frauen, zwischen denen immer noch eine „Gender Pay Gap“, eine durch das Geschlecht bedingte Entgeltlücke von 21% liegt. Über die wirtschaftliche Situation und Chancen zu deren Veränderung informiert sich die Gruppe ebenfalls im Laufe des Sonntags.

Verfassungsgerechtigkeit schaffen

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – der banal klingende Satz war bei der Abfassung des Grundgesetzes heftig umstritten – denn das Bild der Frau als nicht gleichberechtigter Person gegenüber dem Mann in der Familie, im Beruf, in der Gesellschaft hatte sich eingeschrieben in die Gesetze.

Hier die Rede von Elisabeth Selbert nach der Aufnahme ihres Textvorschlags in die Verfassung: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/videos/audio-extra-zu-sternstunde-ihres-lebens-elisabeth-selberts-rede-zur-gleichberechtigung-der-frau-vom-18-januar-1949-100.html

 

Erst 8 Jahre nach Verkündung des Grundgesetzes hat der Bundestag es geschafft, die ersten Gesetze zu ändern, die dieser Gleichheit widersprachen – schon die Einführung des Satzes ins Grundgesetz war erst gelungen, als die Frauen in Deutschland sich bundesweit organsiert und zu Wort gemeldet hatten.

 

Die Teilnehmerinnen waren beeindruckt von der Länge und Härte des Kampfes um Gleichberechtigung – der lange nicht abgeschlossen ist. Die gemeinsame Arbeit hatte auch einen konkreten Effekt: Der Impuls, als Arbeitsgemeinschaft die Fraktion der SPD im Stadtrat zu bitten, bei der Benennung der nächsten wichtigen Straßen in Selm zwei Namen nach vorne zu bringen: „Maria Juchaz“ als erste Rednerin in der Weimarer Nationalversammlung und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, beides in 1919 – und „Elisabeth Selbert“ als Impulsgeberin für die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz von 1949.

 

Für die Organisatorin des Seminars Ingrid Schulz steht fest: „Das war eine gute Sache. Tolle Gespräche, das hat uns viel gebracht – das werden wir mit anderen Themen fortsetzen!“ Und Friederike Konik als Vorsitzende der ASF Selm ergänzt: „Gut war auch, dass wir aus Unterbezirk, Stadtverband, Ortsverein und Fraktion männliche und weibliche Besucher hatten – so wird unsere politische Bildungs-Arbeit gesehen und verstanden!“